Chronische obstruktive Bronchitis (COB) – Mit diesen 7 wirkungsvollen Maßnahmen hilfst Du Deinem Pferd nachhaltig.

Chronische obstruktive Bronchitis (COB) – Mit diesen 7 wirkungsvollen Maßnahmen hilfst Du Deinem Pferd nachhaltig.

Atemwegserkrankungen in der Pferdehaltung sind ein häufig auftretendes Problem. Egal welche Diagnose du für dein Pferd bekommen hast, ob chronische obstruktive Bronchitis (COB), RAO, IAD oder equines Asthma spielt vorerst eine untergeordnete Rolle. Denn die Folgen sind nahezu die gleichen. Dein Pferd bekommt keine Luft! 

Solltest du noch keine Bronchoskopie gemacht haben, rate ich dir, diese durchführen zu lassen. Erst durch die Bronchoskopie hast du Gewissheit, ob die Lunge deines Pferdes verschleimt ist und welche schulmedizinische Therapieform bei deinem Pferd angebracht ist. Leider können medizinische Behandlungen starke Nebenwirkungen hervorrufen und sollten so selten wie nötig eingesetzt werden und nicht als Dauerlösung angesehen werden. Wie du eine langzeitverträgliche Lösung findest und worauf du Acht geben sollst, erfährst du in diesem Artikel.

Die wichtigsten Maßnahmen, die du jetzt durchgehen sollst, habe ich dir aufgelistet. Zusätzlich biete ich dir ein paar Tipps, wie du dein Pferd ganzheitlich unterstützen kannst. Gehe jeden Punkt Schritt für Schritt durch und prüfe kritisch. 

Als erstes betreibe Ursachenforschung. Denn ohne zu wissen was dein Pferd belastet, und wie es soweit gekommen ist, kannst du die Faktoren nicht ändern. 

Auf geht´s! Lass uns forschen gehen!

Ursachenforschung mit einer Schritt für Schritt Anleitung:

Die Fütterung

Heu sollte immer die beste Qualität haben. Woran du gutes Heu erkennst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Wenn du schon weißt wie Heu zu sein hat, dann schaue dir das gefütterte Heu gut an. Wie ist die Qualität des Heues? Wenn du es ganz genau wissen willst, welche Inhaltstoffe oder Pilze und Bakterien sich darin befinden, schicke eine Sammelprobe in ein zertifiziertes Labor und lass es analysieren.

Solltest du das Glück haben und gutes Heu zur Verfügung haben, bedeutet es leider nicht, dass dein Pferd es trocken fressen darf. Um dein Pferd bestmöglich zu entlasten, musst du es entweder gewässert oder bedampft verfüttern. Der Grund dafür ist, dass im Heu, trotz guter Qualität, Keime enthalten sein können, die der Pferdelunge schaden und leider reagiert gerade dein Pferd besonders sensibel darauf. 

Nun hast du die Möglichkeit dir entweder einen professionellen Heubedampfer zu kaufen oder du baust dir selbst einen. Anleitungen hierzu findest du im Internet.

Falls du nicht die Möglichkeit hast einen Bedampfer zu verwenden, kannst du das Heu auch wässern. Es gibt jedoch ein paar Punkte die du im Hinterkopf behalten solltest, wenn du dich fürs Wässern entscheidest. Je länger Heu im Wasser liegt, desto mehr Zucker und Mineralstoffe werden ausgeschwemmt. Außerdem ist gewässertes Heu weicher als Trockenes. Pferde kauen dies weniger intensiv und produzieren demnach weniger Speichel, was wiederum Magenprobleme begünstigt. Zwar wird der Staub im Heu reduziert, allerdings nicht die darin befindliche Keime. Nicht zu unterschätzen ist, dass nasses Heu sehr schnell verdirbt und innerhalb von zwei bis vier Stunden verfüttert werden sollte.

Wenn es dir möglich ist und du eventuell mehrere atemwegserkrankte Pferde im Stall hast, kannst du alternativ auch Heulage bzw. Silage für Pferde füttern, wobei wie auch beim Heu die Qualität ausschlaggebend ist. Worauf du bei diesem Futter achten musst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Fütterst du deinem Pferd Zusatzfutter bzw. Kraftfutter? Kannst du es mit Wasser anfeuchten, damit dein Pferd keine Staubpartikel oder vielleicht Milbenkot einatmet.Um Milbenkot, Milben oder Schadkeime im Futter zu verringern, lagere dein Zusatzfutter unbedingt trocken und in geschlossenen Behältern. 

Sobald Pferde husten, erlebe ich, dass Pferdebesitzer Hustenkräuter oder Hustensäfte füttern und weiterempfehlen. Bitte mach das nicht. Bevor du Zusätze oder Heilkräuter verabreichst, solltest du immer zuerst nach der Ursache suchen und diese beheben! Denn wie können Kräuter oder Säfte helfen, wenn dein Pferd belastendes Heu fressen muss, auf verpilztem Stroh steht oder Blockaden im Körpersystem aufweist? 

Sobald du weißt, was deinem Pferd fehlt oder was es belastet, kannst du gezielt Phytotherapeutika einsetzen. Allerdings solltest du bei vorherrschenden Allergien immer sehr vorsichtig sein, weil auch Kreuzallergien ausgelöst werden können. Bei einer Kreuzallergie würde dein Pferd dann nicht mehr nur, zum Beispiel, auf Birkenpollen reagieren, sondern auch auf den Apfel, den du ihm fütterst. Ich rate dir deshalb auch die Inhaltsstoffe des Kratfutters und des Mineralfutters im Blick zu haben, ob darin Allergene enthalten sind, die dein Pferd belasten. 

Die Haltung

Im Grunde sollte dein Pferd 24 Stunden am Tag an der frischen Luft sein, mit der Möglichkeit sich adäquat zu bewegen.  Wenn dein Pferd in so einem Stall untergekommen ist, musst du eventuell nur mehr die anderen angesprochenen Punkte anpassen. Falls dein Pferd jedoch in einer Innenbox steht, wird es nötig sein dein Pferd zumindest in eine Paddockbox oder besser noch in eine Außenbox umzustellen. 

Eventuell kommt für dein Pferd auch ein Offenstall in Frage. Ich hinterfrage aus Absicht, ob dein Pferd dafür in Frage kommt, denn Offenställe müssen, genau wie andere Haltungsformen, einige Grundvorraussetzungen erfüllen, damit sich Pferde darin wohlfühlen. Um einige Aspekte zu nennen: Genügend Fressplätze, ausreichend Ruheplätze, gut eingestreute Liegeflächen, stimmige Herdenkonstellation, keine Sackgassen und genug Platz um sich aus dem Weg gehen zu können. Sollte dein Pferd rangniedrig oder ranghoch sein, kann es für ihn/sie besonders stressig werden. Ein Zustand den du vermeiden solltest. Dazu habe ich dir unter dem Punkt Stress wissenswertes geschrieben. 

Lassen sich die Bedingungen, der optimierten Haltung, Fütterung und Einstreu, in deinem jetztigen Stall nicht umsetzen, solltest du dich mit dem Gedanken anfreunden den Stall zu wechseln. Ich weiß, den Stall zu wechseln, kann einem Angst machen. Schließlich weißt du nicht, ob im neuen Stall wirklich alles so sein wird, wie dein Pferd es benötigt und vielleicht wirst du es deshalb nochmal umziehen müssen, bis alles passt. Aber glaube mir, wenn du die Haltungsvoraussetzungen, die dein Pferd braucht, nicht konsequent umsetzt, verlierst du wertvolle Zeit und dein Pferd kann sich nicht regenerieren! 

Die Einstreu

Sollte dein StallbetreiberIn mit Stroh einstreuen, rede mit ihm und findet gemeinsam eine Alternative. Denn selbst wenn Stroh sehr gut aussieht, können sich Pilzsporen, Bakterien und Milben darin befinden, die der Pferdelunge massiv schaden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dein Pferd auf Stroh bzw. die darin befindlichen Keime/Pilze reagiert und du eine Alternative verwenden musst.

Allerdings nicht nur für dein Pferd, sondern für den ganzen Stall oder zumindest den Stalltrakt. Erfahrungsgemäß wird es nicht reichen, nur bei deinem Pferd die Einstreu zu wechseln und die Nachbarboxen weiterhin mit Stroh eingestreut zu lassen.

Die alternative Einstreu sollte auf jeden Fall sehr saugfähig und staubfrei sein. Du kannst zum Beispiel Strohpellets oder Miscanthuspellets verwenden. Diese werden unter sehr hohen Temperaturen gepresst und sind dadurch nahezu keimfrei. Du kannst aber auch entstaubte Sägespäne oder Holzpellets verwenden. Wofür du dich auch entscheidest, achte darauf, dass dein Pferd von nun an, keinem Ammoniakgas, Staub und Pilzsporen ausgesetzt ist.

Ob dein Pferd Ammoniakgeruch ausgesetzt ist, prüfst du indem du deine Nase zu Boden führst und einatmest. Riechst du was? Sticht es dir in der Nase? Sobald du Ammoniak nur erriechen kannst, ist der tolerierbare Wert überschritten. Bitte beachte, dass Stallhygiene eine wichtige Voraussetzung ist, um deinem Pferd weiterzuhelfen.

Du kannst zusätzlich die Box oder Flächen des Stalles mit effektiven Mikroorganismen besprühen. Landwirte die effektive Mikroorganismen für die Stallhygiene einsetzen, beobachten einen positive Auswirkung auf das Stallklima und eine deutliche Reduktion des Ammoniakgeruchs. Der Einsatz von effektive Mikroorganismen ersetzt das penibel genaue Ausmisten jedoch nicht.

Die Umgebung

Wie du jetzt schon weißt, reagiert die Lunge sehr empfindlich auf Staub. Dein Pferd soll nun, um die Lunge bestmöglich zu belüften und den Schleim aus der Lunge zu befördern, vermehrt trainiert werden. Achte dabei aber darauf, dass das Training/Bewegung auf die körperliche Verfassung angepasst ist und vorallem auf eine staubfreie Umgebung. Also ab jetzt nur mehr draußen, auf dem beregneten Reitplatz oder in der beregneten Reithalle trainieren. Wobei du beobachten solltest, ob dein Pferd mit dem Klima in der Halle gut zurecht kommt. 

Befinden sich neben dem Reitstall Ackerflächen? Dann vermeide neben den gerade bearbeiteten Ackerflächen zu reiten. Die Feinstaubbelastung ist zu diesem Zeitpunkt erhöht. 

Wird das Heu in unmittelbarer Nähe der Pferde aufgeschüttelt oder gelagert, bitte deinen StallbetreiberIn, dafür ein anderen Platz zu organisieren. Ebenfalls sollte das Strohlager weit entfernt sein. Aber das Stroh für dein Pferd ab nun tabu ist, weißt du ja bereits. 

Auch beim Ausmisten und Fegen sollte prinzipiell kein Pferd in der Nähe sein, da dabei wieder eine erhöhte Staub- und Ammoniakbelastung zu erwarten ist. 

Falls dein Pferd auf eine bestimmte Pflanze allergisch reagiert, achte darauf, wo diese Pflanzen wachsen und meide diese Gebiete so weit es geht, zur Zeit der Blüte. Dieser Punkt wird wahrscheinlich am schwierigsten umzusetzen sein, doch einen Versuch ist es wert. 

Der Bewegungsapparat

Sieht man den Pferdeorganismus als Einheit, beschäftigt man sich auch mit den Auswirkungen der Atemwegserkrankungen auf den Bewegungsapparat. Durch die Schwierigkeit Luft zu bekommen, verändert sich die Muskulatur und verhärtet. 

Beschäftigt man sich mit diesem Thema jedoch genauer, ist es vielleicht nicht mehr klar ersichtlich, ob nicht, die unendeckten Probleme im Bewegungsapparat das Symptom Husten hervorgebracht haben. 

Überlege dir, hat dein Pferd Widerstand beim Satteln gezeigt? Riss es dir vermehrt die Zügel aus der Hand? War es immer während verspannt im Schulterbereich? Konnte es locker über den Rücken, vorwärts abwärts, mit den Nüstern als vordersten Punkt, geritten werden? Verweigerte es sich der Versammlung und drückte es den Rücken weg? Stolperte es des Öfteren? Sei dir bewusst, dass dein Pferd all dies nicht aus böswilliger Absicht oder Faulheit gemacht hat. Es konnte einfach nicht anders. Es hat auf einen Zustand reagiert, der ihm nicht gut tat. Dein Pferd hat versucht dir etwas zu sagen, hast du ihm zugehört?

Wenn du dein Pferd nun abtastest, wie fühlt sich die Muskulatur an? Locker und weich oder angespannt und hart? Erkennst du Muskelatrophien oder Kompensationen? Erfährungsgemäß haben viele atemwegserkrankte Pferde Blockaden im Widerrist und erst wenn diese Blockaden behoben wurden, verschwinden auch die Probleme der Atemwegen. 

Lass daher unbedingt von einem erfahrenen Physiotherapeuten, Kraniosakralen Therapeuten oder Chiropraktiker abklären, ob dein Pferd Blockaden im Widerrist oder auch im restlichen Körper aufzeigtSie werden diese Blockaden ebenfalls beheben können. Wenn du jedoch nicht das Training, die Haltung oder die Ausrüstung optimierst, werden diese Blockaden bald wieder da sein. 

Sprich auch unbedingt mit dem Therapeuten darüber, was dazu geführt hat, dass dein Pferd Probleme bekommen hat und wie du diese Probleme in Zukunft vermeiden kannst. Lass dir zeigen was du für dein Pferd tun kannst und lies dich in die Biomechanik der Pferde ein. Je mehr Wissen du hast, desto besser kannst du deinem Pferd helfen. 

Falls du dein Pferd im Winter eindeckst, kannst du Blockaden im Widerrist vermeiden, indem du die Deckenpassform überprüfst. Hierfür legst du die Decke auf dein Pferd und verschnallst sie wie immer. Danach schiebst du deine Hand zwischen Decke und Widerrist und lässt dein Pferd vom Boden fressen. Kannst du deine Hand aus der Decke ziehen oder ist sie eingequetscht? Danach schiebst du deine Hand zwischen Decke und Buggelenk und lässt dein Pferd ein paar Schritte gehen. Auch hier solltest du deine Hand ohne Probleme rausziehen können. Achte auch darauf, dass Decke nicht nach hinten, über den Widerrist rutscht, dies kann nämlich ebenfalls zu Blockaden führen.

Der Stress

Dauerstress bewirkt eine hohe Cortisolausschüttung und diese widerrum unterdrückt das Immunsystem. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass das Immunsystem bei Dauerstress aus dem Gleichgewicht gerät und sich dadurch Allergien und Krankheiten entwickeln können. 

Eine interessante These ist, dass manche Pferde garnicht mehr die Möglichkeit haben, ihr Immunsystem zu fordern. Viele Pferde leben im Stall, eingedeckt und gut behütet, ohne der Möglichkeit sich dem Klima oder Umweltreizen auszusetzen. Dem Immunsystem wird regelrecht langweilig, weil es nichts zu tun hat. Kein Ausritt/Bewegung bei Wind und Wetter, kein Koppelgang und schon gar nicht bei Regen. Das Immunsystem nutzt irgendwann, vor Ödnis, jede Möglichkeit, sich mit etwas auseinander setzen zu können. Und weil es keinen gesunden Zugang mehr zu natürlichen Umwelteinflüssen bekommt, reagiert es regelrecht über, wenn es damit in Kontakt treten muss. Vielleicht aber sind genau diese Bedingungen der Reizarmut Auslöser für Dauerstress?

Stelle dir nun die Frage, welche Bedingungen bereiten deinem Pferd Stress? Vielleicht sind es ausschließlich die Aspekte die ich aufgelistet habe. Prüfe aber bitte auch, ob dein Pferd sich in anderen Situationen gut zurecht finden kann. Fühlt es sich Wohl in seiner Herdenkonstellation? Kommt es mit den gegebenen Haltungsbedingungen zurecht? Mag es den Boxennachbarn? Wird es gefördert im Training oder überfordert? Hat es Schmerzen?

Ein sehr wichtiger Punkt, der gerne übersehen wird, ist die eigene Stimmung die man hat, wenn man mit dem Pferd zusammen ist. Pferde sind sehr sensibel und können die Anspannung oder Angst ihres Gegenübers wahrnehmen. Prüfe daher deine eigene Stimmung und Körpersprache, wenn du mit deinem Pferd interagierst. Kann sich dein Pferd in deiner Gegenwart entspannen? Bist du entspannt, wenn du bei deinem Pferd bist? 

Unterstützende Anwendungen

Neben den kurzfristig einzusetzenden Therapiemethoden, die die Schulmedizin bei chronischer obstruktiver Bronchitis zu bieten hat, gibt es auch viele andere Anwendungen, die deinem Pferd langfristig zur Symptomfreiheit verhelfen können.

Zuerst möchte ich die Techniken der traditionellen chinesischen Medizin erwähnen. Ich habe selbst erlebt, wie nach einer Akupunkturbehandlung der Schleim aus den Nüstern nur so rausgeflossen ist und wie so manche Allergien verschwunden sind. Es kann einige Anwendungen brauchen bis dein Pferd wieder vollkommen im Gleichgewicht ist, schließlich ist es auch nicht von heute auf morgen krank geworden, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus dran zu bleiben. 

Unter dem Punkt Bewegungsapparat habe ich bereits die manuellen Therapiemöglichkeiten erwähnt. So lassen sich mit kraniosakralen Anwendungen, der Masterson Methode oder Massagen Blockaden sanft und nachhaltig lösen. Besonders wirksam ist es wenn man sowohl die traditionell chinesische Medizin, als auch diese manuellen Therapiemethoden miteinander vereint. 

Um zusätzlich die Lunge deines Pferdes zu unterstützen, inhaliere so oft wie möglich mit einem Ultraschallinhalator und einer 0,9%iger isotoner Kochsalzlösung. Dabei wird die Lunge befeuchtet und fest sitzender Schleim gelöst. Wobei eine Kombination aus Inhalation und anschließender Bewegung gute Erfolge erzielt. 

Die Zeit bis es deinem Pferd besser geht kann sehr steinig und fordernd sein, verliere nicht die Hoffnung und bleibe am Ball. Ich hoffe sehr, dass ich dir weiterhelfen konnte und solltest du Unterstützung benötigen kannst du dich gerne direkt bei mir melden. Du findest hier meinen Leistungskatalog.

Alles Gute dir und deinem Pferd.